BasKIDstories – Philmons Traum

BasKIDstories – Philmons Traum

Das Fortyone-Magazin berichtet in den kommenden Monaten von BasKIDs aus verschiedenen BasKIDball-Standorten. Die Kids erzählen stellvertretend für die gesamte BasKIDball-Community ihre Geschichten – wie sie zu BasKIDball kamen und was ihnen die Zeit in der ‘offenen Sporthalle‘ und die vielen Momente bei den Camps und Standorttreffen bisher gebracht haben.

An dieser Stelle geht ein herzlicher Dank an die BasKIDs, die sich für dieses tolle Projekt zur Verfügung stellen! Ein besonderer Dank geht auch an alle Standortleiter:innen und BasKIDball-Betreuer:innen, die die BasKIDs intensiv auf ihrem Weg begleiten.

Außerdem geht ein herzlicher Dank an das Fortyone-Magazin für die tolle Arbeit im Rahmen der BasKIDstories-Reihe.

Und nun möchten wir euch Philmon aus Frankfurt vorstellen:

»Er hat diesen Biss« – Der BasKIDballer Philmon Ghide geht als Spieler und als Trainer seinen Weg.

Wer von uns kann schon behaupten, einen Kindheitstraum zu seinem Beruf gemacht zu haben? Tänzerin. Feuerwehrmann. Ritter. Die kindliche Naivität der ersten Lebensjahre verschwindet irgendwann. Man wird älter, man entwickelt sich weiter, die eigenen Interessen verschieben sich – aus dem anfänglichen Traum wird eine bloße Erinnerung, und irgendwann beginnt der »Ernst des Lebens«. Sich einen Kindheitstraum erfüllen? Leichter gesagt als getan. Philmon Ghide ist es trotzdem gelungen. »Ich wollte schon immer diesen Beruf ausüben«, sagt der 23-Jährige über seine derzeitige Ausbildung bei der Polizei.

Aktuell durchläuft Philmon eine Ausbildung bei der Bundespolizei in Bamberg, auch wenn er lieber in die Landesbehörde gegangen wäre. Doch im Ausbildungszentrum in Frankfurt, wo Philmon lebt, hat es keine freien Plätze mehr gegeben. Robert Anymar, Betreuer des BasKIDball-Standorts in Frankfurt, ist über den Weg seines ehemaligen Schützlings nicht überrascht.

Das BasKIDball-Team beim Weihnachtsturnier 2014

»Als wir einmal in der Stadt unterwegs waren und die Polizei für einen Einsatz vorbeigefahren ist, wusste er direkt, was passieren würde. Die genaue Sachlage war uns nicht klar, aber Philmon kannte die Abläufe, die Dienstgrade – ein richtiger kleiner Nerd«, blickt Robert schmunzelnd zurück. »Während seiner Schulzeit hat er ein Praktikum bei der Polizei gemacht. Dort zu arbeiten, war von klein auf Philmons Traum.«

Philmon und Robert treffen das erste Mal bei einem Weihnachtsturnier in Frankfurt im Jahr 2014 aufeinander – eine Art »Social Day« umschreibt Robert diese Veranstaltung, die die Verantwortlichen des Frankfurter BasKIDball-Projekts zusammen mit Mitarbeitern der ING-Bank organisieren. Damals sei Philmon 16 Jahre alt gewesen, erzählt Anymar, und habe zuvor noch nie etwas von BasKIDball gehört. Er wird von Freunden zum Turnier mitgebracht.

»Du musst wissen, wie du die Leute in der Halle ansprichst, wenn du spielen willst.«

»Er war basketballerisch nicht weit, aber das Feeling hat ihm gleich gefallen – bei BasKIDball geht es ja nicht nur um Basketball an sich, sondern um einen guten Ort, an dem sich die Kids wohlfühlen«, erinnert sich Robert. »Mein Skill-Level war null«, muss auch Philmon eingestehen. »Da war nichts. Nada. Aber das ist auch das Gute an BasKIDball: Jeder kann daran teilnehmen.«

Bei BasKIDball stehen die Türen jeder und jedem offen. In Frankfurt gibt es im Gallusviertel und im Jugendhaus am Heideplatz zwei Standorte, die Bandbreite an Teilnehmern reicht »vom Hauptschüler bis zum Medizin-Studenten«, so Anymar. Vor zwölf Jahren hat er den BasKIDball-Standort in Frankfurt mit aufgebaut. Er wird auf das Projekt aufmerksam, als er damals mit in der 2. Regionalliga bei Eintracht Frankfurt unter Coach Harald Stein spielt – einem langjährigen Bundestrainer der Nachwuchs-Nationalmannschaft.

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Philmon und Coach Robert

Auch wenn Robert richtiger Basketballer ist, es in den Zweitligakader geschafft hat und bei Streetball-Turnieren sogar deutsche und Europameister-Titel feierte, ein streng strukturiertes Training will er bei BasKIDball nicht einführen. »Die Leute, die zum BasKIDball-Training kommen, wollen kein Vereinstraining haben. Sie kommen, weil sie die Halle genießen wollen – Open Gym für alle«, erklärt Robert. »Sie kommen, weil es ihnen um andere Sachen geht: Freundschaften zu pflegen, entspannt zu spielen, ohne dass dir ständig jemand erzählt, was du zu tun hast. Bei BasKIDball geht es um Selbstbestimmung und Eigeninitiative. Dass du in der Lage bist, selbst etwas zu organisieren, wenn du Lust dazu hast.« Wer bei BasKIDball also Lust auf ein Zwei-gegen-Zwei oder Drei-gegen-Drei haben, muss sich selbst die Teams zusammenstellen. »Es geht darum, soziale Kompetenzen zu entwickeln. Du musst wissen, wie du die Leute in der Halle ansprichst, wenn du spielen willst.«

So läuft es bei BasKIDball ab

BasKIDball-Einheiten unterscheiden sich von Tag zu Tag, von Teilnehmern zu Teilnehmern, mit ihren ganz unterschiedlichen Fähigkeiten und Altersstufen. Gleich ist nur eins: »Am Anfang kommen alle in die Halle, begrüßen sich und spielen Musik«, erläutert Robert. Danach kann ein Spiel wie »Twenty-One« folgen, bei dem sich jeder gegen jeden an einem Korb duelliert und das sämtliche Elemente des Basketballs enthält: Korbleger, Dreier, Freiwürfe, Rebounds. »Sind Jüngere dabei, spielen wir gerne Bump«, erklärt Robert. Dabei steht jeder an der Freiwurflinie, wirft auf den Korb und versucht den Spieler vor sich auszuschalten – trifft der seinen Versuch nicht. Robert lacht. »Zwölf- bis 14-Jährige lieben dieses Spiel – es ist simpel, es ist kompetitiv… und du kannst einfach jemanden rausschmeißen.«

Den erfahrenen Teilnehmern werden Freiheiten gegeben, sich selbst ein Training zu organisieren und es zu gestalten, und die Neuen bekommen die Zeit und den Raum, um sich erst einmal zurechtzufinden. »Wenn jemand extrem schüchtern ist, musst du ihm Zeit geben. Dann ist es auch in Ordnung, erstmal an die Außenkörbe zu gehen, für sich zu werfen – um sich einfach zu entspannen«, erklärt Robert – schließlich könne man schon mal überwältigt sein, in eine Halle voller zunächst fremder Menschen zu kommen. »Es ist immer eine Sache des Feingefühls. Du musst jede Situation in der Halle einzeln bewerten und auch den Background der Jugendlichen berücksichtigen.«

Philmon kannte keine Scheu und kennt sie bis heute nicht. »Schüchtern bin ich nicht«, sagt er. »Ich komme überall immer relativ gut klar. Ich öffne mich zwar nicht direkt, komme aber relativ schnell mit Menschen ins Gespräch«, beschreibt er sich selbst und freut sich darüber, dass so viele Freundschaften aus der BasKIDball-Zeit geblieben sind.

»Egal, wieviel Talent du hast, im Endeffekt ist Arbeit wichtiger.«

Nachdem Philmon das Weihnachtsturnier 2014 besucht hat, geht er noch nicht direkt zum BasKIDball-Training. »Ich habe damals gerne im Jugendzentrum gechillt, sportlich habe ich mich nicht so viel betätigt«, blickt Philmon zurück. »Aber irgendwann dachte ich mir: Soll ich nur ständig vor dem Computer hocken, oder auch etwas anderes machen?«

Philmon, der eigentlich vom Fußball kommt, entwickelt sich im Basketball schnell weiter. »Egal, wieviel Talent du hast, im Endeffekt ist Arbeit wichtiger. Und das hat Philmon schnell begriffen. Er hat viel Arbeit investiert, er hatte diesen gewissen Biss«, sagt Robert. »Und er ist keiner dieser Jugendlichen, die komplett von sich selbst überzeugt und nicht offen für Kritik sind. Im Gegenteil: Er nimmt sie an und versucht, sich zu verbessern.«

Philmon hat ein Ziel im Blick: Er nimmt sich vor, es in den Kader eines Landesliga-Teams zu schaffen. Die Zeit bei BasKIDball nutzt er, um sich individuell zu verbessern. »Ich habe jeden Tag nach der Schule zwei Stunden trainiert. Robert hat mir die Basics beigebracht, hat mir ein individuelles Trainingsprogramm gestaltet und mir gesagt, was ich zu verbessern habe.«

Das ist das Besondere an BasKIDball: Die Kinder und Jugendlichen können einfach nur zum Spaß zocken, aber sie können eben auch Roberts Expertise nutzen, um zielgerichtet an ihrem Spiel zu feilen. »Die, die mehr Skills haben, arbeiten von vorneherein gerne an speziellen Dingen – da geht es dann darum, das Dribbling oder den Wurf zu verbessern. Es geht um Kleinigkeiten, wie du das Handgelenk richtig abknickst.« Alle sind unterschiedlich, und Robert schätzt es folglich sehr, den »Luxus einer Halle mit acht Körben zu haben.«

Philmon fokussiert sich auf den Wurf. Ende 2016 schließt er sich der Frankfurter Eintracht an. »Das Niveau dort war besser«, blickt er zurück. »Ich ging schon Richtung Herren und musste schauen, wie ich mithalte.« Er schafft es in den Kader der Landesligamannschaft, aber am Anfang reicht es nur für die Bank. »Ich dachte mir: Du brauchst irgendetwas, wo du besser bist als die anderen. Ich war nie der beste Ballhandler, und werde es wohl auch nicht werden. Und ich bin relativ langsam. Ich habe Ausdauer, aber nicht die Schnelligkeit.« Also entdeckt Philmon den Dreier für sich. »Werfen ist mein Ding«, sagt er. »Ich werfe fast nur Dreier, ab und zu gehe ich vielleicht mal in die Midrange.« Er wirft und trifft immer häufiger, er erarbeitet sich eine feste Rolle im Team und steht hin und wieder sogar in der Starting Five – »weil man auf meinen Wurf vertraut hat«.

Coach Philmon

Philmon steht nicht nur auf, sondern auch neben dem Feld – denn mittlerweile trainiert auch er Kinder im Basketball: Sein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert er bei Makkabi Frankfurt, für das darauffolgende Jahr bleibt er dem Verein als Trainer erhalten. »Im ersten Jahr habe ich jeweils die zweite Mannschaft der U16 und U18 trainiert, im zweiten hauptsächlich die U12. Aber ich habe bei jeder Altersgruppe mal ausgeholfen.« Makkabis U12 wird sogar Frankfurter Bezirksmeister – unter Coach Philmon.

Philmon im Einsatz beim Down-Sportlerfestival

Schon während seiner Zeit bei BasKIDball wächst er langsam in diese Rolle hinein. »Bei den Fahrten zu den Camps war ich immer einer der ältesten. Ich habe nicht direkt zu den Betreuern gehört, war aber auch kein junger Teilnehmer mehr – ich war irgendetwas dazwischen und habe die Betreuer immer unterstützt.« Diese Zwischenrolle scheint auch bei den Kleinen gut anzukommen, sie fangen an, mit ihren Problemen zu Philmon zu kommen. »Vielleicht ist es das: gegenüber Kindern bin ich selbst wie ein Kind – aber mit einer verantwortungsvollen Einstellung«, resümiert Philmon. »Bei BasKIDball habe ich wirklich viel gelernt, das hat mein Leben bereichert.«

Einen großen Einfluss dabei hatte sicherlich auch Robert. Denn wäre Philmon nicht zur Polizei gegangen, hätte er sich eine Tätigkeit im Sozialbereich vorstellen können. »Quasi das, was Robert macht.« Doch letztlich ist Philmon seinen eigenen Weg gegangen, und von diesem Weg – sowohl auf als auch neben dem Parkett – ist Robert begeistert: »Spielerisch hat er am Anfang gar nicht in die Landesliga gepasst. Aber er hat diesen Biss, um andere letztlich zu übertrumpfen. Es fällt ihm nicht alles in den Schoß, aber er kämpft sich durch.« Für Robert eine Eigenschaft, die sich auf das Leben übertragen lässt: »Diese Einstellung hat ihm Wege aufgezeigt und neue Möglichkeiten eröffnet: erst für das Abitur, dann für die Bundespolizei – das sind alles einmal Träume für ihn gewesen. Aber er hat sie wahr gemacht.«

___ von Manuel Baraniak.